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Zwei auf gleichem Weg
von Eva Schäffer
Frei sein von kunstfeindlichen Zwängen, von phantasietötenden Beschränkungen; abhängig sein nur von den eigenen Fähigkeiten,Temperamenten und Einfällen – und nur von jenen, für die man arbeitet, den Zuschauern. Seit etwa sechs Jahren versucht das Schauspielerpaar Rosie Belic und Nikolaus Lechthaler diese Vision für sich zu verwirklichen.
Und siehe da, das risikoreiche Unternehmen ist geglückt; bietet sich dar als schillerndes Kleinod auf der künstlerisch ebenso reichen wie chronisch unterdotierten Szene. „Belic/Lechthaler“ ist zum Markenzeichen geworden für…, ja, für was eigentlich? Für pure, mit Ernsthaftigkeit gespielte Unterhaltung? Für Mut zu Wiederentdeckungen? Für schwierige Gratwanderungen zwischen Komik und tödlichem Ernst? Oder einfach für ein Theaterverständnis, das alle diese Facetten und viele mehr in sich vereinigt?
Beide hatten jahrelang im Theater im Keller und beim beliebten Kabarett „Die Grazbürsten“ gespielt, waren also längst bekannt in der Szene, als sie sich zum solistischen Duo zusammenfanden. Es war der Schauspieler Andreas Stix (früher bei Steinbauer/Dobrowsky und im Next Liberty), „der“, erzählen Rosie Belic und Nikolaus Lechthaler, „zu uns kam und meinte: ich hätte da ein Stück, das wäre was für euch beide“. Es handelte sich um die leichtfüßige und doch hintergründige romantische Komödie „Nächstes Jahr – gleiche Zeit“ von Bernard Slade. Premiere war in der Inszenierung von Stix zu Silvester 2OOO im Saal des Steiermärkischen Landesarchivs auf dem Karmeliterplatz in Graz. Ein Riesenerfolg. „Die Produktion hat wirklich toll eingeschlagen“. Ein Anfang. Ein Mut machender Start in die Eigenständigkeit. Gast-Tätigkeit am Deutschen Theater in Budapest brachte die Künstler mit Zsolt Pozsgai, einem der namhaftesten zeitgenössischen ungarischen Dramatiker zusammen. Der Autor bot Belic/Lechthaler an, für sie ein Stück zu schreiben. Lechthaler: „Wir waren begeistert. Ich fragte ihn, ob es ein Stück sein könne, in dessen Verlauf ich sechs Tode sterben dürfte“. Pozsgai griff die makabre Anregung auf und lieferte drei Monate später „Liselotte und der Mai“ (Untertitel: „Eine Herausforderung“) ab: eine brillante, nachtschwarze Komödie, in der die zwei Schauspieler ihre Lust an der Vermittlung von feiner und tiefgehender Komik voll auszuschöpfen vermochten. Diese von Wolfgang Atzenhofer inszenierte Sommerproduktion im Hof des Landesarchivs war ebenfalls ein Hit. Warum also, fragten sich Belic und Lechthaler, nicht weiter auf diesem Weg?
„Wir spürten aus Gesprächen mit Zuschauern, aus Rückmeldungen, dass wir langsam ein Stammpublikum gewinnen; ein Publikum, das uns möglicherweise folgt, wenn wir also Duo weiter produzieren und auch versuchen, noch ernsthaftere Stücke zu spielen“.
Nichts ist besser als ein Versuch, noch dazu, wenn er glückt. Die
österreichische Erstaufführung des erotischen Reigens „The blue room“ des berühmten britischen Dramatikers David Hare in zimmertheater-gemäßen Räumlichkeiten im ersten Stockwerk eines Hauses auf dem Freiheitsplatz in Graz bot in der meisterlichen Inszenierung von Gogo Nachtmann den in Massen strömenden Besuchern ein Theatererlebnis mit Intensität förmlich
ausstrahlenden Interpreten. Später dann einmal mehr Spielortwechsel in das neu eröffnete Literaturhaus in der Elisabethstraße. Mehrere Produktionen haben Belic/Lechthaler dort gespielt; das „absolute Highlight“ war (wieder unter Nachtmanns Regie) im Frühling 2OO4 die Wiederentdeckung des vier Jahrzehnte alten modernen Klassikers „Die Zimmerschlacht“ von Martin Walser, dieses böse-poetische, monströs-perfekte „Übungsstück für Ehepaare“. Paraderollen für Rosie Belic und Nikolaus Lechthaler.
Die selbst gewählte Selbständigkeit ist naturgemäß nicht nur befreiend, sondern raubt auch Kraft. Der Wechsel der Spielorte, der Probenmöglichkeiten, der Zwang, die jeweils andere Bühne für die entsprechenden Erfordernisse zu adaptieren, die Suche nach finanziell leistbaren, verlässlichen Helfern; das sind nur einige der vielen Probleme. Troztdem bleiben sie ihrem bislang so erfolgreichen Konzeptes einer subtilen Mischung von ernst und heiter, riskant und witzig treu . „Unser Publikum kommt inzwischen auch aus allen Regionen der Steiermark, sogar aus Wien. Die Leute sagen: verständigt uns, wenn ihr spielt, wir kommen. Und sie kommen auch“.
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